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Technologie-Transfer
Moderne Kuper-Maschinentechnik für
Decospan und Frischeis.
aus Furniermagazin 12/2009
Die Weltwirtschaftskrise hat auch in der Holzindustrie breite Bremsspuren hinterlassen, besonders betroffen in diesem Sinne ist zweifellos die Furnier-Industrie, Investitionsstopp auf ganzer Linie ist eine verständliche Reaktion der Branche in unsicheren Zeiten. Daraus ergeben sich auch problematische Bedingungen für die Maschinenhersteller, die Zahl der 2008 weltweit verkauften Messermaschinen lässt sich wohl an einer Hand abzählen (siehe aktuelle Ausgabe, Seite 27).
Allerdings gibt es auch Ausnahmen, antizyklisches Verhalten bringt diesen Firmen dann in Zeiten anspringender Konjunktur und wachsender Bedarfe am Markt deutliche Vorteile. Maschinenhersteller mit neuartiger, effizienter, zukunftsgerichteter Technologie werden auch (oder gerade) in Krisenzeiten ihre Produkte absetzen können. Dazu nachfolgende Beispiele aus der aktuellen Entwicklung der Furnierbranche, Maschinenausstatter ist jeweils die im ostwestfälischen Rietberg ansässige Heinrich Kuper GmbH & Co. KG.
Kuper und Decospan entwickeln vollautomatische Beschickung von Furnierquerzusammensetzmaschinen
Decospan, Europas größter Hersteller von Furnierpaneelen, stellte 2008 die neue Produktlinie Shinnoki vor. Das Sortiment fertig furnierter und lackierter Platten bedarf keiner weiteren Bearbeitung und ist damit ideal für den Innenausbau. Die durchlaufende Oberfläche ohne optische Unterbrechung entsteht durch die Kombination von Furnierholz verschiedener Bäume mit wechselnden Schnittlinien. Mit Shinnoki bietet Decospan eine wertige Alternative zu preiswerten Melaminplatten. Aufgrund der Naturoberfläche ist die Ausstrahlung wärmer und – es sind immer Unikate. Mit Shinnoki gewann Decospan diverse Preise, u.a. den interzum award 2009 in der Kategorie „intelligent material and design“.
Doch bis es soweit war, war intensive technische Entwicklungsarbeit nötig. Die begann im Mai 2007. Der führende Hersteller von Furnierzusammensetzmaschinen Heinrich Kuper GmbH & Co. KG in Rietberg bekam Besuch von Jan Desmet, Präsident von Decospan. Er hatte die Idee einer automatischen Beschickung von Furnierquerzusammensetzmaschinen. Nach fast 30 Jahren Zusammenarbeit sah er Kuper als den besten Partner, um die technische Lösung zu realisieren. Sein Vertrauen wurde belohnt. Kuper setzte die technischen Anforderungen in kürzester Zeit in eine funktionsfähige Maschinenlösung um. Nach nur sieben Monaten konnte die erste mit Patenten ausgestattete Anlage in Betrieb genommen werden.
Die Ausgangslage
Die normale Beschickung der Furnierquerzusammensetzmaschine „ACR-Speedstar“ von Kuper erfolgt durch einen Bediener von Hand. Dieser legt nicht nur die Furniere ein, gleichzeitig kontrolliert er auch die Qualität der Furnierblätter. Er übernimmt die Dickenkontrolle und verhindert, dass so genannte vermesserte Furniere verwendet werden. Außerdem kontrolliert der Bediener die Furniere optisch. Das Gesamtbild störende Furnierblätter werden aussortiert, oder er erzeugt gegebenenfalls aus den Furnierblättern auch bestimmte Muster. Der Maschinenbediener kann jedoch nur aus einer kleinen Anzahl von Furnierpaketen die Furnierblätter mischen. Alles andere wäre aus räumlichen und zeitlichen Gründen sehr aufwändig.
Jan Desmet trat nun mit den besonderen Anforderungen an Kuper heran, eine Vorrichtung zu entwickeln, die aus mindestens zehn unterschiedlichen Furnierpaketen die Furnierblätter zur Querzusammensetzmaschine transportiert und zur Weiterverarbeitung bereitstellt.
Ausgewählte Furnierpakete werden in zehn Magazinschächte eingelegt. Die Furnierbreiten können von 75 bis 195 mm betragen. Durch Kombination zweier benachbarter Magazine ist auch die Verarbeitung von bis zu 390 mm breiten Furnierstreifen möglich. Die Magazine weisen Zentrierhilfen auf, wodurch die Furniere zentrisch in den Magazintaschen geführt und gehalten werden. Eine besondere Herausforderung ist nun das vereinzelte Anheben der Furnierblätter aus den Magazinen, um sie auf ein Transportband zu legen. Ein Vakuumsauger ist hier nicht geeignet. Er würde gleich mehrere Furnierblätter ansaugen. Deshalb wurden neue Greiferköpfe entwickelt, die pneumatisch auf die Furnierstapel abgesenkt werden. Mit Hilfe eines Klebestreifens wird nun jeweils das oberste Blatt angehoben und mittels eines Greifers, der am Vereinzelungskopf sitzt, gefasst. Über jedem Magazinschacht gibt es solch einen Vereinzelungskopf. Sie alle sind an einem Portal aufgebaut, welches oberhalb der Magazine angeordnet ist. Haben die Vereinzelungsköpfe nun jeweils einen Furnierstreifen angehoben und gegriffen, so fährt das Portal aus dem Magazinbereich heraus, zieht sie auf ein Transportsystem und legt sie dort ab. Das gelegte Furnierbild entsteht durch die zuvor in den Magazinen abgelegten Furnierpakete mit unterschiedlicher Breite und Maserung.
Das Transportsystem fördert die Furniere zur Kuper ACR-Speedstar. Vorher werden die Furniere jedoch noch über einen Leuchttisch geführt. So besteht die Möglichkeit einer Qualitätskontrolle, um schadhafte oder unerwünschte Furnierblätter direkt entfernen zu können. Das Transportsystem übergibt die Furnierstreifen schließlich nach der Kontrolle an das Einzugs- und Ausrichtsystem der Querzusammensetzmaschine.
Durch zwei bewegliche Magazinwagen wird die Anlage optimal versorgt. Der Magazinwagen, der gerade nicht in Betrieb ist, wird mit neuen Furnierpaketen bestückt. Dabei wird schon auf das entstehende Bild der später zusammengesetzten Furnierstreifen geachtet.
Das Ergebnis ist ein durchlaufendes Furnierbild ohne unnatürliche optische Unterbrechungen. Die positive Resonanz aus aller Welt auf die Decospan-Produktlinie Shinnoki bestätigt Jan Desmet auf seinem Weg, Furnierprodukte gebrauchsfreundlicher für den Markt zu produzieren.
Frischeis-Furnierfixmaßwerk in Rumänien komplett mit
Kuper Maschinen ausgerüstet.
Neben dem Handel mit Holzwerkstoffen und der Produktion von Furnieren und Schnittholz bietet die J.u.A. Frischeis Gruppe, Stockerau/Österreich seit neuestem auch das Fügen von Furnieren zu kompletten Decks als eine Dienstleistung an. Seit 2007 betreibt der Frischeis-Konzern in Brasov, Rumänien eine eigene Schnittholz- und Furnierproduktion. Diesem Werk wurde nun eine Furnierfixmaßproduktion angegliedert. Die Heinrich Kuper GmbH & Co.KG in Rietberg, Deutschland als Komplettanbieter von Maschinen rund um die Furnierbearbeitung bekam den Zuschlag. Gemeinsam mit Frischeis wurde ein Konzept für zwei Produktionslinien entwickelt. Die eine produziert großformatige Furnierfixmaße im Querzusammensetzverfahren für Möbel und Türen in großen Mengen. Mit einer zweiten Linie ist die Produktion von individuellen Maßen auch im Kleinformat möglich. Bei der Umsetzung des Projektes war es sehr hilfreich, dass die Kuper Spezialisten mit dem Fixmaß Betriebsleiter vor Ort zusammen arbeiten konnten. Peter Bothin hat in anderen Unternehmen an verantwortlicher Stelle mit Kuper Maschinen Erfahrungen sammeln können.
Großformate im Querzusammensetzverfahren
Die Herstellung großer Mengen von Furnierteppichen st am wirtschaftlichsten, wenn die einzelnen Maschinen miteinander verkettet sind. Kuper lieferte jede Maschine inklusive der Transporteinrichtungen dieser Produktionslinie, deren Herzstück die Querzusammensetzmaschine „ACR-Speedstar“ mit einer Arbeitsbreite von 3200 mm ist. Am Anfang jeder Furnierverleimung steht der „perfekte“ Zuschnitt. Die Parallelität ist enorm wichtig. Die Zweimesser-Furnierschneidemaschinen „ZFS“ schneiden die Furnierpakete mit Ober- und Untermesser beidseitig genau parallel und geradlinig. Dadurch kann mit Leichtigkeit jede Furnierart fugendicht zusammengesetzt werden. Mit Hilfe des Optimierungs-Lasers wird der Furnierabfall auf ein Minimum reduziert.
Im nächsten Produktionsschritt wird zur exakten Angabe des Leimes an Furnierpaketkanten die „KLM“ eingesetzt. Ausrichtung und Transport des Furnierpaketes sowie die absolut präzise dosierte Leimangabe erfolgen automatisch. Ein Lasermessgerät ermittelt am Einlauf der Maschine die Furnierpakethöhe. Abhängig von dieser Höhe werden die Parameter für die Ausrichtung und Beleimung des Pakets automatisch eingestellt. Für unterschiedliche Furnierarten können diese Parameter in einer Datenbank archiviert, bearbeitet und natürlich abgerufen werden. Die Kommunikation mit der Maschine erfolgt über ein Touchscreen-Panel im Beschickungsbereich der Maschine. Durch die Siemens-„S 7“-Steuerung ist der Datenfluss gewährleistet, so dass die Information „Breite des Pakets“ von der „ZFS“ an die „KLM“ geleitet werden kann, deren Ausrichtrollen in die entsprechende Öffnungsposition fahren. Nach der Beleimung werden die Furnierpakete mit der „FFM“ aufgefächert und über ein Transportdeck zum Ablüften der „ACR-Speedstar“ zugeführt. Sie produziert „hoch effektiv“ (Kuper) aus den vorbeleimten Messerfurnierstreifen unterschiedlicher Breiten so genannte Endlosteppiche oder vorprogrammierte Furnierfixmaße. Eine Bedienperson legt die vorbereiteten Furnierstreifen in die Maschine ein. Für die Verarbeitung unterschiedlicher Furnierarten und -stärken können Parameter wie Fugendruck, Presszeiten und sogar die individuell ermittelte Vorschubgeschwindigkeit über das zentrale Touch-Panel eingegeben und gespeichert werden. Das bedeutet Umrüstung auf Knopfdruck. Die Ausrichtung der Furniere in die Heizzone geschieht photoelektronisch, d.h. Laserpunkte erfassen die Position des Furniers und geben Impuls an die Siemens-Motion-Control Steuerung, die die Servo-Antriebsmotoren steuert. Diese Methode der Positionierung ist 100% exakt und erheblich schneller als eine rein mechanische. Das berührungslos arbeitende Ausrichtungsverfahren schließt Beschädigungen an der Furnierkante praktisch aus. Feinfühlig arbeitende Friktionswellen ziehen die Furnierstreifen fugendicht zusammen, die in der besonders schmalen Heizzone zusammengesetzt werden. Der integrierte Furnierclipper schneidet den endlosen Furnierteppich auf das gewünschte Fertigmaß. Alternativ zur Endlosverklebung ist auch bildmäßiges Zusammensetzen durch Vorwahl der Blattzahl möglich.
Eine besondere Anforderung von Frischeis war die Integration von Besäumung und Endverklebung. Das war für Kuper leicht zu realisieren, da die neue Generation der „EMZ“ an die „ACR-Speedstar“ angedockt werden kann. In der „EMZ“ werden die Furnierteppiche an den Stirnseiten mit Leimfaden verstärkt und gleichzeitig sauber an beiden Seiten besäumt.
Flexible Produktion individueller Maße
Für die Produktion von individuellen Maßen wurde das Werk mit verschiedenen Einzelmaschinen ausgestattet. Sie sind nicht miteinander verkettet. So ist eine flexible Produktion jederzeit gewährleistet. Für die Furnierzusammensetzung stehen verschiedene Maschinen zur Verfügung. Die bewährte Zick-Zack Furnierzusammensetzmaschine „FW 1220 E“ klebt schnell und zuverlässig auch wellige Furniere. Der Spezial-Leimfaden garantiert eine dichte Fuge, hohe Haftung und Reißfestigkeit
Die Längsverleimmaschine „FL-Innovation“ verarbeitet Furniere, die in der weiteren Verarbeitung hohen Temperaturen und Zugbelastung ausgesetzt sind. Das besondere Verfahren der Wärmezufuhr bei gleichzeitigem Anpressdruck über eine längere Transportstrecke garantiert laut Kuper eine Fugenverleimung für höchste Ansprüche. Für kleine Kommissionen oder spezielle Anwendungen ist ein Beleimaggregat serienmäßig integriert. Weiterhin ist die Maschine u. a. mit einem Diskusscheiben-Getriebeeinzug, einer hochwertigen Scharnierbandkette aus Edelstahl und mit sechs individuell regelbaren Heizzonenelementen ausgestattet.
Die „ACR-CrossRunner 1600“ ist eine Querverleimmaschine für kleine Arbeitsbreiten. Sie ist besonders wirtschaftlich für die Zusammensetzung von kurzen Furnierlängen zur Herstellung von z. B. kleinen Möbelteilen oder querfurnierten Türen. Seit Vorstellung der Maschine vor zwei Jahren zeigt sich, so Kuper, dass man der ständig zunehmenden Nachfrage nach einer Querverleimmaschine für kleinere Arbeitsbreiten mit dieser Maschine voll gerecht wird. Die Maschine ist leicht über ein Touchpanel zu bedienen, eine extrem schmale Heinzzone sorgt für eine spannungsfreie Zusammensetzung. Frischeis hat sich für das Modell mit einem integrierten Clipper und einer Fingerablage entschieden.
Für die Vor- und Nachbearbeitung der Furniere ist der Bereich für die Produktion individueller Maße ebenfalls mit einer Zweimesser-Furnierschneidemaschine „ZFS“, einer Leimauftragmaschine „KLM“, einer Auffächerungsmaschine „FFM“ und einer Endverklebemaschine „EMZ“ ausgestattet.
Wegen eines eng gesteckten Budgets hat sich Frischeis für die Kombination aus Neumaschinen und gebrauchten Maschinen entschieden. Die gebrauchten Maschinen wurden alle im angeschlossenen Überholungswerk auf den neuesten Stand gebracht. Kuper hat das Anforderungsprofil an die Produktion von 150.000 qm Furnier monatlich im Zwei-Schicht-Betrieb damit voll erfüllt.








